Spezialvorlesung "Quantenrechner: Algorithmen und Komplexität"

Wintersemester 2004/2005

 
Veranstalter:
Detlef Sieling
Termin:
Montag, 16.15-17.45 Uhr, HG I, HS 3


Donnerstag, 14.15-15.45 Uhr, HG I, HS 2
Beginn der Vorlesung: 
11.10.2004


Die Quantenmechanik ist eine Theorie der Physik zur Beschreibung von Vorgängen in der Natur. Als Theorie ist sie nicht beweisbar, man hat allerdings beobachtet, dass sie die Vorgänge in der Natur mit hoher Genauigkeit beschreibt. Manche Vorhersagen der Quantenmechanik stimmen allerdings nicht mit alltäglichen Wahrnehmungen überein. Seit etwa 20 Jahren wird daher die Frage untersucht, ob derartige quantenmechanische Effekte benutzt werden können, um Berechnungen effizienter auszuführen. Diese Untersuchungen fanden allerdings erst breitere Beachtung, als Shor 1994 bewiesen hat, dass die Faktorisierung von ganzen Zahlen mit Rechnern, die quantenmechanische Effekte ausnutzen, in polynonieller Zeit möglich ist. Für dieses Problem ist bisher kein (klassischer) polynomieller Algorithmus bekannt. Dies stützt die Vermutung, dass die erweiterte churchsche These, dass alle intuitiv sinnvollen Berechnungsmodelle bis auf polynomielle Faktoren in der Rechenzeit gleich mächtig sind, für Quantenrechner nicht zutrifft. Allerdings befinden sich die Versuche, Quantenrechner praktisch zu realisieren, noch in einem sehr frühen Stadium.

In der Vorlesung sollen zunächst die benötigten Grundlagen der Quantenmechanik vorgestellt werden. Anschließend werden so genannte Quantenschaltkreise definiert und Algorithmen für Quantenschaltkreise vorgestellt. Den Kern der Vorlesung bilden der Algorithmus von Shor zur Faktorisierung von ganzen Zahlen und der Suchalgorithmus von Grover. Als weitere Gebiete werden endliche Automaten mit Quanteneffekten (QFAs, quantum finite automata) und Quanten-Kommunikationskomplexität diskutiert.

Die Vorlesung basiert zum größten Teil auf dem Buch "Quantum Computation and Quantum Information" von M.A. Nielsen und I.L. Chuang und dem Vorlesungsskript von Martin Sauerhoff.

Literatur zur Vorlesung:

19.07.2004 - Detlef Sieling